Palliativmedizin


 

In letzter Zeit erreichen mich als Palliativmediziner immer wiederAnfragen zum Thema Methadonterapie bei Krebserkrankungen. Ich möchte hierzu auf die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin verweisen, der ich mich inhaltlich voll anschliesse.

Link zur Stellungnahme
sowie einen Artikel im Deutschen Ärzteblatt:

Methadon in der Onkologie: „Strohhalmfunktion“ ohne Evidenz 

Und im weiteren Nachgang eine Anzeige wegen fahrlässiger Tötung

sowie im arznei-Telegramm:

METHADON-HYPE BEI KREBS
... Emotionen ersetzen Wirksamkeitsbelege

Die Europäische Patentschrift, dazu kann hier eingesehen werden.

 


Die Palliativmedizin konzentriert sich auf die bestmögliche medizinische, pflegerische, psychosoziale und spirituelle Behandlung und Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen sowie ihrer Angehörigen. Gemeinsames Ziel ist es, für weitgehende Linderung der Symptome und Verbesserung der Lebensqualität zu sorgen - in welchem Umfeld auch immer Betroffene dies wünschen. (Definition der DGP)

 

Palliativmedizin und Hospiz sind in erster Linie eine Frage der Haltung ! Achtsamkeit und Wertschätzung sind die Grundlagen dieser Haltung nicht nur in der Arbeit mit Patienten, sondern auch in der kollegialen und interdisziplinären Zusammenarbeit.

 

Stellte die Verweigerung des Wehrdienstes während der Grundausbildung 1985 für mich noch eher eine theoretische Auseinandersetzung mit dem 5. Gebot "Du sollst nicht töten" dar, so wurde ich während meines Zivildienstes in einem Stuttgarter Altenpflegeheim erstmals konkret mit dem Sterben von Menschen konfrontiert.

Einfühlsame Hinführung an die Thematik durch meine damalige Pflegedienstleitung und der erste Kontakt zur Hospizbewegung und der Arbeit von Cicely Saunders im Film "Noch 16 Tage - Eine Sterbeklinik in London" liesen mich meinen anfängliche Angst vor diesem Thema überwinden.

Rasch wurde mir klar, dass angesichts der unbegreiflichkeit des Sterbens meistens menschliche Werte mindestens genauso wertvoll sind wie alles Fachwissen.

Durch da sein, begleiten, eine Hand zu halten, ... konnte ich in all dem oftmals hektischen Trubel und Aktivismus, der Angesichts des nahen Todes einsetzte schon als Zivi meinen Beitrag zu einem würdigen Ende der Bewohner beitragen.

Mit einer kleinen Gruppe motivierter Zivis und FSJ organisierten wir in unserem Heim Sitzwachen für sterbende Bewohner ohne Familienangehörige. Hospizgruppen in der heutigen Form gab es damals lange noch nicht.

Auf diesem Hintergrund reifte mein Entschluss Medizin zu studieren, auch wenn die Abiturnote nicht unbedingt dafür prädestinierte. Die Wartezeit zum Studienplatz konnte ich als Pflegehilfskraft in Stuttgart und in Esslingen-Kennenburg überbrücken.

Auch während des Studiums konnte ich durch Arbeit in Altenpflegeheimen, ambulanten Pflegediensten und Sitzwachen an der Uniklinik in Marburg nicht nur mein Studium teilweise finanzieren sondern auch sehr viel pflegerische Erfahrungen sammeln, die auch heute noch sehr wertvoll für mich sind.

 

So war es für mich nur konsequent nach der Facharztprüfung als Allgemeinarzt die Chance zur Weiterbildung in Geriatrie und Palliativmedizin zu ergreifen. Durch die Niederlassung in der eigenen Praxis schloss sich hier für mich der Kreis nun wieder.

Eine gute Palliativvesorgung, aus der eigenen Praxis heraus nur mit den eigenen Ressourcen zu bewerkstelligen stellt eine gewaltige Herausforderung und gelegentlich starke Belastung dar. So habe ich von Anfang an die Gründung eines Hospizes und eines SAPV-Teams in Biberach begleitet und die folgende Zusammenarbeit mit Hospiz und SAPV-Team als Glücksfall für meine Arbeit und für die Versorgung sterbender Menschen, in unserer Region erlebt.

Seit 2010 haben wir hier im Landkreis Biberach sehr viel für die Palliativversorgung erreicht. Ich wünsche mir, dass auch in Zukunft die Versorgung weiter entwickelt werden kann und sich noch mehr Menschen für diese Arbeit engagieren.

 

Palliativ Care ist  „…ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und deren Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen: durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, untadelige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art.“ (Definition von Palliative Care der WHO).

 

Denn Palliativmedizin ist nicht Sterbemedizin sondern ganzheitliche Medizin für Menschen mit einer existentiellen Erkrankung.