In eigener Sache:  #diesepraxiswürdefehlen

 

Nach schwierigen Jahren während der Corona-Pandemie, in denen wir alles daran gesetzt haben, die Versorgung aufrecht zu erhalten und die Impfkampagnen zu tragen, mussten wir in den vergangenen beiden Jahren Umsatzeinbußen von rund 15% verzeichnen, trotz ständig steigender Behandlungsfallzahlen. Dabei steigen überall die Kosten! 

 Dazu kommt, dass wir zu einer Digitalisierung gezwungen werden, die mit weiteren Kosten verbunden ist, dabei aber unsere Abläufe in der Praxis umständlicher macht, behindert oder  eine komplette Neustrukturierung der Prozesse erforderlich macht oder oft einfach nicht funktioniert.

 

Immer öfter schließen Praxen in der Umgebung, die dortigen Patienten wollen weiter versorgt werden. Aber allein in Baden-Württemberg sind derzeit ca. 1000 Arztsitze unbesetzt.

 

In dieser Situation haben wir im März 2024 erfahren, dass rückwirkend für das Quartal 4/2023 unsere Arbeit nur anteilig bezahlt wird. Budgetierung nennt sich das.

 

Was würden Sie dazu sagen, wenn Sie ab so fort nur noch 90% ihres Gehalts oder ihrer Rente bekämen, weil ihr Arbeitgeber Ihnen sagt "sorry, das Geld reicht leider nicht" ???

Was würde wohl unser Vermieter sagen, wenn ich nur 90% der Miete überwiese ... "Sorry das Geld reicht leider nicht".... Der Bäcker, wenn ich 10 Brötchen kaufe aber nur 8 bezahle ??? - Sorry, hab kein Geld dabei.

 

Es bedeutet aber auch schon immer, dass wir sowieso nur einen bestimmten Betrag pro Patient und Quartal vergütet bekommen (der jetzt auch noch gekürzt wird) unabhängig davon, wie viele Termine im Quartal notwendig sind, um Sie angemessen zu behandeln. Für uns bedeutet das schon immer, das wir irgendwann im Quartal an einen Punkt kommen, ab dem wir umsonst arbeiten.

Inzwischen liegt uns der Honorarbescheid für das 4. Quartal 2023 vor.

 

Ergebnis: Wir haben noch nie so viele Patienten behandelt, wie in diesem Quartal, bekommen aber nicht nur die zusätzliche Arbeit nur teilweise ausbezahlt, sondern auch noch gut € 5.000,00 gar nicht bezahlt. 

 

Wir sind inzwischen körperlich ausgebrannt und erschöpft und stehen wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand.

Mitarbeiterinnen und Ärzte sind der Belastung kaum noch gewachsen.

Für zusätzliches Personal steht kein Geld zur Verfügung, eine ausscheidende Mitarbeiterin konnte deswegen nicht ersetzt werden und es gibt kaum ärztlichen Nachwuchs. Den Job so, wie er momentan ist, will eigentlich niemand mehr machen, politisch ist die inhabergeführte Praxis nicht mehr gewollt, Herrn Lauterbachs Bestrebungen gehen klar hin zu großen primärärztlichen Versorgungszentren mit angestellten Ärzten.

Jede Praxis, die aufgibt ist somit ein Erfolg für Karl Lauterbach und seine Pläne.

 

Trotz allem ist eine Praxis noch ein Unternehmen, dass wirtschaftlich geführt werden muss und seine Mitarbeiter und Inhaber ernähren muss, Rechnungen müssen bezahlt werden, laufende Kredite bei der Bank müssen bedient werden. Defekte Geräte ersetzt werden, es muss eine verlässliche Planungsgrundlage existieren.

Unsere Arbeit muss allein deshalb adäquat vergütet werden, damit wir in der Lage sind, die bisherige Struktur aufrecht zu erhalten, weiter zu entwickeln und notwendige Investitionen zu tätigen. 

 

Wir müssen deshalb ab sofort persönliche Konsequenzen ziehen und unser Leistungsangebot ebenfalls "budgetieren". 

 

Wir sind durch die aktuelle Situation wirtschaftlich eigentlich gezwungen, nun (noch) mehr Patienten als bisher pro Quartal zu behandeln, obwohl wir für Mehrarbeit immer weniger pro neuen Patient verdienen (sog. Mengenbegrenzung, dies ist politisch gewollt, damit die Kosten im Gesundheitswesen nicht durch die Decke gehen), weshalb für jeden einzelnen Patienten  insgesamt pro Quartal weniger Zeit bleibt. Eine Inflation des Wertes ärztlicher Arbeit.

 

Dies alles bedeutet künftig für Sie:

  • längere Wartezeiten in der Praxis.
  • längere Wartezeiten auf Termine.
  • Reduktion kurzfristiger Termine.
  • kürzere Termine.
  • Beschränkung der Zahl der Termine, die pro Patient im Quartal zur Verfügung stehen können.
  • Erheblich längere Wartezeiten bei der Bearbeitung von Anfragen, Anträgen, Anrufen etc.
    (da diese konsequenterweise nun nur noch während der Arbeitszeit erledigt werden und nicht mehr Abends oder am Wochenende) - Wir behandeln Menschen - Papier muss warten !
  • Keine Aufnahme von Neupatienten.
  • häufigere Schließungszeiten der Praxis - auch kurzfristig.

 Eine Kompensation durch Mehrarbeit unsererseits ist definitiv ausgeschlossen. Wir arbeiten bereits seit Jahren am Limit und auch wir sollen und wollen gesund bleiben.

 

Sie können uns aber unterstützen, indem Sie sich in die Hausarztverträge Ihrer Krankenkasse einschreiben. Hausärztverträge bedeuten für uns:

  • Keine Budgetierung.
  • sichere Vergütung.
  • planbare Vergütung !
  • wirtschaftliche Sicherheit für die Praxis.
  • Weniger bürokratischer Aufwand.
  • unkompliziertere Abrechnung.
  • Wertschätzung unserer hausärztlichen Tätigkeit.
  • Förderung von Qualifizierung der nichtärztlichen Mitarbeiterinnen.
  • Freiwerdende Ressourcen, die wieder für die Patientenversorgung zur Verfügung stehen.

Bitte haben Sie daher Verständnis dafür, dass Patienten, die NICHT im Hausarztprogramm eingeschrieben sind mit Einschränkungen bei der Terminvergabe zu rechnen haben!

 

Neupatienten könne wir in der aktuellen Situation nicht aufnehmen.

 

Und wenn Sie bis hierher gelesen haben:

Vielen Dank für Ihr Verständnis!